War 2025 ein gutes Musikjahr? Wenn ich meinen Terminkalender rekapituliere: definitiv. Ich erinnere mich adhoc an ziemlich viele tolle Konzerte und war nach Jahren der Abstinenz mal wieder auf größeren Festivals - das passt schon so. Allerdings war da wieder nicht sonderlich viel neues dabei. Klares Indiz: Auf die Liste der meistgehören Alben auf Spotify haben sich nur zwei Alben aus dem Jahr 2025 verirrt - der Rest wurde dann doch eher von Nostalgie und alten Helden dominiert. Aber für eine kleine subjektive Top-Liste der Alben des Jahres 2025 hat es dann doch noch gereicht.
Also, los geht’s:
VÖ: 02. Mai 2025

Manchmal ist Musik eine Parallelverschiebung zum eigenen Leben. Mit 16 waren Propagandhi mein Soundtrack zum Skaten und zur wütenden Politisierung. In den frühen 2000ern Umbruch bei Propagandhi - und bei mir: Weg vom Skatepunk, hin zum Hardcore und zum (Progressive) Metal. Und heute, 2025, dominieren Mid-Tempo-Strukturen und eine politische Desillusionierung, die so tief sitzt, dass sie fast schon wehtut. Propagandhi spielen anscheinend den Soundtrack zu meinem Leben – ein Leben, das sich dem Willen zur Veränderung und dem Zynismus gegenüber den Abendnachrichten abspielt.
Als ich das Album zum ersten mal gehört habe, dachte ich kurz: „Ist das zu nett? Zu milde?“ Aber weit gefehlt. At Peace ist kein Altersruhesitz sondern ein Album voller kompositorischer Tiefe, technischer Perfektion und viel melancholischer Schwere. Textlich geht Propagandhi nun Weg von der Konfrontation hin zu einer stoischen Kapitulation vor der Dummheit der Welt, ohne dabei die eigene Integrität aufzugeben. Wo sie früher nachdrücklich und engagiert vor Faschismus und Autoritarismus warnten (und rückblickend leider ziemlich präzise recht behielten), analysieren sie heute nur noch das Trümmerfeld. Das ist nicht milde, das ist in gewisser Weise nur konsequent…
VÖ: 12. September 2025

Irgendwann im Herbst diesen Jahres: Nachts mit Kopfhörern auf dem Weg nach Hause. Und plötzlich kommt da der Song "One in a Million" vom neuen Album und kapert einfach den Körper…
Spidergawd liefern auf ihrem achten Streich wieder dieses hochenergetische Hardrock-Amalgam ab, das mich seit Jahren triggert. Einerseits hochenergetisch, andererseits mit einer guten Dosis Melancholie. Intelligent verschobene Akkordfolgen, eine ehrliche Produktion, die sich von der Masse an überproduzierten 08/15-Alben abhebt und haufenweise Hammer-Riffs… Nur über das Cover ließe sich vermutlich trefflich streiten.
VÖ: 22. August 2025

Ich muss gestehen: Abseits der üblichen Club-Hits habe ich die Deftones nie wirklich gehört. Ein Fehler, wie ich jetzt weiß. Private Music ist atmosphärisch dicht, hat einen unglaublichen Flow und immer wieder einzelne Highlight-Momente auf verschiedenen Ebenen - von mitreißenden Refrains bis hin zu sehr ruhigen, tragenden passagen. Die Produktion ist ziemlich flächig und die Drammaturgie des Albums ist sensationell gut. Deftones beweisen 2025, dass sie keine Legacy-Band sind, sondern ein Erlebnis. Es wird wohl Zeit für mich, mich endlich auch mit ihren alten Alben zu beschäftigen.
VÖ: 28. Februar 20

Architects sind für mich eine der ganz wenigen Metalcore-Bands, die aus meiner eignen kurzen Metalcore-Phase doch immer wieder den Weg auf die Kopfhörer finden. Und es ist auch eine der wenigen Metalcore-Bands, die heute noch eine Existenzberechtigung haben. Auf dem aktuellen Album finden sich - wie es sich für das Genre so gehört - auch wieder einige Pop-Momente und grenzwertige Synthie-Passagen, aber dann halt doch auch wieder hämmernde (und breitbeinige) Breakdowns. Schön, dass Architects sich treu bleiben und dabei mittlerweile auch einen ziemlich großen kommerziellen Erfolg haben.
VÖ: 06. Juni 2025

Hier bin ich zwiegespalten. Ich gehe den Weg von Turnstile nicht mehr ganz mit – da ist mir mittlerweile zu viel Pop und Hymne im Spiel. Aber man muss ihnen eines lassen: Sie retten den Hardcore ins aktuelle Zeitalter und bewahren mein Lieblingsgenre vor der Belanglosigkeit. Was Turnstile 2025 gelingt, ist etwas, das für Hardcore fundamental ist: ein Gefühl der Zusammengehörigkeit über Rassen-, Klassen-, Geschlechter- und Altersgrenzen hinweg. In diesem Sinne: weiter so.